Sonntag, 20. November 2011

Unwort des Jahres 2011: "Armutsgefährdet"

Lieber Leser,

mein Unwort des Jahres steht für dieses Jahr fest und lautet:

Armutsgefährdet

Die Menschen, die arm sind, als »armutsgefährdet« zu bezeichnen ist nicht nur falsch, sondern üble Meinungsmache und blanker Hohn. Bester Neusprech ist es hier, die Armut durch solche Ausdrücke wie »armutsgefährdet« zu relativieren. Es gibt schließlich eine große Armut in Deutschland. Das wegzureden ist unredlich. Deshalb sollte man das Wort »armutsgefährdet« zum Unwort des Jahres 2011 wählen.

Neuerdings wird viel von »marktkonformer Demokratie« gesprochen. Ich habe mir überlegt, ob dieser Ausdruck bei der Bestimmung des aktuellen Unwort des Jahres eine Rolle spielen könnte. Für mich taugt »marktkonforme Demokratie« aber weniger zu einem Unwort, schließlich konterkariert dieser Begriff als solcher schon die fortschreitende Entdemokratisierung, die stark durch die neoliberalen Parteien in Deutschland und in der EU forciert wird. »Marktkonforme Demokratie« hat einen entlarvenden Charakter, während hingegen »armutsgefährdet« von großer rhetorischer Heimtücke ist.

Gibt es andere Wörter als »armutsgefährdet«, die besser als dieses menschenverachtende Wort zum Unwort des Jahres 2011 taugen? Was meinen Sie?

Kommentare:

  1. Ich würde gerne das Wort " Attentatsgefährdet " als Wort 2012 sehen ...

    vielleicht ..?

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  2. ich fände das Wort im Prinzip nicht schlimm wenn man es in einer sachlichen Diskussion verwendet um Armut in Teilbereiche einzuteilen um sie besser analysieren zu können. Denn bei Armut gibt es doch noch einige Unterschiede die es lohnen unterschieden zu werden. Bei "relativ einkommensarm" (eine Stufe darunter!) als anderen offiziellen Begriff zucke ich aber dann auch zusammen. Der klingt dann wirklich zynisch.

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