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Freitag, 12. März 2010

Ein Lesetipp zur Zeit um 1929 und den Folgen

Anläßlich eines Links von Albrecht Müller auf einen Artikel Joseph Stiglitzs bei der FTD* und angesichts der fortwährenden oberbescheurten deflationären Niedriglohnsektorpolitik von Westerwelles und Merkels schwarz-gelber Mafia-Regierungskoalition möchte ich nochmals auf zwei sehr interessante Texte  des Historikers James Livingston hinweisen (ich berichtete bereits hier).

Die alten Politics-&-Letters-Links gehen nicht mehr; dennoch kann man derzeit die Texte immerhin noch beim History News Network der George Mason University lesen. Hier die Links:

  1. Their Great Depression and Ours, Part I
  2. Their Great Depression and Ours, Part II
Was haltet Ihr von den Aussagen James Livingstons?

* Link entfällt wegen des Leistungsschutzrechte-Protests, nach einiger Zeit wäre der Link kostenpflichtig!

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Donnerstag, 30. April 2009

Das Elend der Versicherungswirtschaft

Vorbemerkung zum Verständnis: Mit Lebensversicherungen verdient die Versicherungswirtschaft das allermeiste Geld. Und der Begriff Lebensversicherung ist sehr umfassend. So sind alle kapitalgedeckten Rentenversicherungen Lebensversicherungen. Also, die Riester-Rente z. B. ist eine Lebensversicherung.

All die Finanzprodukte, die Lebensversicherungen sind, die sind in den nächsten Jahren höchst problematisch; denn der Kapitalstock wird verzinst. Garantiezinsen haben Sprengkraft. Wieso, werden Sie sich sicherlich Fragen?

Nun, die Versicherungswirtschaft investiert, investiert in Aktien (-fonds), Immobilien, unterschiedliche Anleihen. Zu den Anleihen darf gesagt werden, dass die Versicherungswirtschaft Großabnehmer von Staatsanleihen ist. Und nicht vergessen, per Gesetz müssen die Gelder, die in Lebensversicherung fließen, sicher sein. Das sind dann die Staatsanleihen. Sie gelten als besonders sicher. Lebensversicherungen sollen besonders sicher sein. Auf die Staatsanleihen komme ich später noch einmal zurück.

Das Investment der Lebensversicherer hat das Ziel, Gewinn abzuwerfen. Es gilt, mindestens den Garantiezins zu erwirtschaften. Das ist die Kompetenz der Versicherungswirtschaft.

Der Garantiezins ist die Archillesferse der Versicherer. Das müssen Sie wie folgt verstehen: Wir hatten von 1873 bis 1896 in Deutschland eine sehr lang anhaltende Deflation, eine Epoche niedriger Zinsen. Und wer annimmt, die derzeitigen niedrigen Zinsen, wären von kurzfristiger Dauer, der könnte sich heftig irren. Die sehr junge Wirtschaftskrise wird auch länger anhalten. Das heißt, der Giftcocktail für die Versicherungswirtschaft ist gemixt: Die Vermögenswerte wie Aktien und Immobilien sind mittelfristig in einem Abwärtskanal. Zwischenzeitliche Erholungen sind sogenannte Bärenfallen. Man muß Buchverluste hinnehmen, die beim Verkauf in Realverluste einmünden. Und in Krisenzeiten gibt es weniger Dividenden, die Unternehmen haben nur eine Aufgabe, die Aufgabe zu überleben. Und die Zinsen der Staatsanleihen werden sich dem Nullpunkt nähern.

Einfache Regel: Der Garantiezins bestehender Versicherungsverträge läßt sich nicht mehr halten. Einziger Ausweg bleibt der Vertrieb. Die Versicherer haben Mittelzuflüsse, die das Tal der Tränen überbrücken helfen und die Verluste ausgleichen. Das nennt sich dann Ponzi-System (Schneeballsystem). Die Insolvenzrisiken in der Versicherungswirtschaft werden in der nächsten Zeit erheblich größer. Mit Versichererpleiten (als Fusionen maskiert) ist zunehmend zu rechnen.

Aber das ist noch nicht alles! In den etablierten Parteien herrscht die Mode, in besseren Zeiten die Staatsverschuldung zur reduzieren. Was heißt das für die Eigentümer von Lebensversicherungspolicen? Nehmen wir die Riester-Renten. Es gilt, immer mehr in die kapitalgedeckten Lebensversicherungen zu investieren. Sie legen Geld an. Sie haben ein Guthaben. Und jedes Guthaben ist bekanntlich auch ein Kredit. Als Policeninhaber ist man Kreditgeber.

Nächste Frage, wo geht der Kredit hin? Der letzte Schuldner ist der Staat. Der größte Vermögensposten bei den Versicherern sind die Staatsanleihen. Man kann sogar grob vereinfacht schreiben, Staatsschulden sind der Kapitalstock der Lebensversicherungen.

Wenn man das weiß, stellt sich die nächste Frage: Was passiert, wenn der Staat Schulden abbaut? Dumm gelaufen, wenn die kapitalgedeckte Altersvorsorge weiter aufgestockt wird. Die Nachfrage nach Staatspapieren steigt, das Angebot wird eingedampft - Schuldenabbau! Das ist ziemlich widersinnig. Also, auch von dieser Front droht den Versicherungskunden Gefahr. Wenn der Staat sein Vermögen verkauft (Schuldenreduktion), könnten dann die Versicherer statt Staatsanleihen zukünftig zu privatisierende Gefängnisse, Schulen usw. erwerben, oder? Zinsen hierbei? Fragen Sie mich bitte etwas leichteres. Das Ganze wird zunehmend unsinnig, mehr kann ich Ihnen nicht schreiben. Doch halt, ein Satz geht noch: Sie zahlen, so oder so, die Zeche für diese Art Mißwirtschaft. Der Schuldenabbau ist sehr tückisch!

Übrigens bei Verträgen auf Fondsbasis gibt es keinen Garantiezins. Das Risiko ist dann allein beim Policeninhaber. Clever, nicht?

Sollten die deflationären Tendenzen in eine Hyperinflation umschlagen, dann sind die Versicherer gerettet. Ihre Versicherungspolicen weniger...

Viel Spaß weiterhin mit den "sicheren" Lebensversicherungen. Eines gibt es auf jeden Fall nicht: sichere Kapitalanlagen.

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Donnerstag, 29. Januar 2009

Aus der Reihe "Deppen wie wir" - Heute: Joaquín Almunia

- Folge 11 -

Warum ausgerechnet Joaquín Almunia, das ist die Preisfrage?

Auf ftd.de (Alle Links zur Financial Times Deutschland sind erloschen! jetzt zu finden: auf stern.de) zitierten Wolfgang Proissl (Brüssel), Mark Schrörs und André Kühnlenz (Frankfurt) in ihrem Artikel Geld-Not im Euroland Joaquín Almunia, EU-Kommisar für Wirtschaft und Währung, wie folgt:
Der Währungskommissar fordert von Griechenland, Spanien, Portugal, Italien oder Frankreich schmerzhafte Reformen der Arbeitsmärkte und der Sozialsysteme.
Will Herr Almunia Europäischer Deflationskönig werden? Euroland steht an der Schwelle zur Deflation, besser großen Depression, und diesem EU-Kommissar fällt nichts besseres ein, als den Abstieg in die Deflation zu forcieren. Wie wäre es, als dass wir schlechte Arbeitsbedingungen exportieren, wir vielmehr gute Arbeitsbedingungen importieren? Können wir von einem EU-Kommissar nur noch verschrobenes marktliberales, neoliberales Gedankengut erwarten?

Das läßt nichts Gutes erwarten! Da Herr Almunia sicherlich nicht dafür ist, dass Euroland auseinander fliegt, muß er wohl heimlicher Befürworter einer paneuropäischen Revolution sein. Anders kann ich diesen Herrn nicht verstehen. Oder wissen Sie es besser?

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Dienstag, 13. Januar 2009

Aus der Reihe "Deppen wie wir" - Heute: SPD-, CDU- und FDP-Wähler strafen sich selbst ab

- Folge 9 -

Wenn selbst ein Herr Döpfner zu zweifeln anfängt (1. Welt-Online, 2. Weissgarnix-Blog) (Blog zwischenzeitlich "erloschen"), dann könnte die Kacke am Dampfen sein (das mit dem Dampfen ist die Formulierung einer nichtsraffenden Superdeppin). Ich kürze mal die ganze Argumentation speziell für unsere Superdeppen, die nur von A nach B und nicht weiter denken können, ab:

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Dienstag, 16. Dezember 2008

China - China schmiert ab II

Wie war das? Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Wer besser lesen kann, was ist mit dem? Steigerung von Superlativen? Sei es drum.

Also, wenn ich mir die Entwicklung so anschaue, würde Frau Angela Merkel (CDU) gut in die chinesische Regierungsspitze passen. Gleiche weltmeisterliche Exportüberschüsse, gleiches zögerliches Verhalten. Gleiche Ahnungslosigkeit?

Lassen Sie sich bitte das folgende Zitat aus der Deutschlandausgabe der Financial Times (FTD) auf der Zunge zergehen:

" Die Regierung hat aber offenbar gelernt. Anders als damals reagiere die Führung diesmal schnell und in Form einer Kampagne, so die Morgan-Stanley-Experten: "Ganz offensichtlich wird die Regierung alles daransetzen, das Wachstum auf einem akzeptablen Niveau zu halten." In diesem Jahr werde die Regierung ihr Ziel von 4,5 Prozent Arbeitslosigkeit zum Jahresende noch erreichen, sagte Vize-Sozialminister Zhang Xiaojian. "Doch nächstes Jahr wird die Zahl mit Sicherheit steigen." Die Dunkelziffer ist ohnehin viel höher, da Wanderarbeiter in den Statistiken gar nicht erfasst sind.

Aus Exportstandorten wie der Provinz Guangdong sind Hunderttausende Migranten in ihre Heimatregionen zurückgekehrt, weil es für sie keine Arbeit mehr gab. Viele Fabriken schlossen oder fuhren den Betrieb auf ein Minimalmaß herunter. "Die Industrieproduktion könnte im Dezember noch einmal niedriger ausfallen, weil Fabriken zunehmend auf die schwache Weltnachfrage mit Produktionsstopps reagieren."

Und ein Ende ist noch nicht absehbar.
"

Wahrhaft interessanter Text der Financial Times Deutschland. Steht doch da am Anfang des Zitates "Die Regierung hat aber offenbar gelernt". Dem Text folgt dann eine Situationsbeschreibung, bei der sich mir folgende Frage aufdrängt: Was hat die Regierung gelernt? Etwa noch schlimmeres zu vermeiden? Dann hätten Schritte beschrieben werden müssen. Aber welche Schritte...?

Bei Texten über China muß man vorsichtig sein, was man schreibt, um wieder ins Land gelassen zu werden. Da ich in dieser Hinsicht keinerlei Ambitionen hege, kann ich mir das erforderliche Quentchen Offenheit leisten. Lange Rede, kurzer Sinn für den halbkryptischen Text: Die Antwort lautet wohl eher, dass die chinesische Regierung so gut wie nichts dazu gelernt hat. Wie auch? So ist das mit verquerem "Zeugnisdeutsch".

So schreibt die FTD weiter:
" Mit dem Einbruch der Rohstoffpreise und der Industrie kommen nun auch in China Deflationsängste auf. Die Rezession in den drei großen Wirtschaftsräumen USA, Euro-Zone und Japan hätte das Problem der Überkapazitäten der Industrie verschärft, schreibt Morgan Stanley. Das schränke die Preismacht deutlich ein. "Unter der Oberfläche braut sich ein gewaltiger Deflationssturm zusammen." Zuletzt lag die Teuerungsrate nur noch bei 2,4 Prozent, gegenüber acht Prozent Mitte 2008. "

Man kann nur immer wieder wiederholen, dass es die Exportnationen besonders hart trifft, da wegen des Exportausfalles die bislang exportierte Arbeitslosigkeit wieder reimportiert wird. Was sich auf die schwachen Binnenwirtschaften der beiden Staaten besonders negativ auswirken muß. Aua kann ich da nur sagen.

Doch es gibt einen kleinen Unterschied. Der Sozialstaat wurde in unserem Lande nicht vollends abgeschafft. Das erweist sich jetzt als Glücksfall. Das fast ruinierte soziale Sicherungssystem fängt in Deutschland den Fall ins Bodenlose auf. Preisfrage: Gibt es so etwas in China überhaupt? Wohl eher nicht. Somit dürfte es kaum eine Frage der Zeit sein, bis Wanderarbeiteraufstände erste Schatten auf das Großreich der "Mitte" werfen.

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