Freitag, 4. Dezember 2009

HR1, die Studenten und Roland Koch

Was verstehen Realitätsmanagement-Fans unseres Berlusconis vom Main (Erstnennung der Verballhornung ?) unter politischer Ausgewogenheit? Politische Ausgewogenheit ist es anscheinend bei einer 80%igen Meinungsmach-Performance diese mit einer Performance von etwas weniger als 100% toppen zu wollen/müssen. Beim HR scheint das ansatzweise gelungen zu sein, beim ZDF war eben noch etwas Nachholbedarf. Es reicht eben nicht, auf Wirtschaftsdruck Pseudomedizin-kritische Berichte aus dem online verfügbaren Archiv zu nehmen (näheres erfragbar bei Holgi oder Ludmila).

Wie komme ich darauf, dass die 100% beim HR nahezu erreicht worden sind? Im HR gibt es nämlich neben HR-Info noch HR1 zum Nachrichten verbreiten. Und HR1 hatte ich gestern Mittag gehört. Als ich eine bestimmte Berichterstattung hörte, war ich wirklich baff. Perfekte Choreographie eben. Falls Sie sich fragen, worüber ich eigentlich hier schreibe, ich schreibe über die Nachricht einer Campus-Befreiung: Das Casino auf dem Uni-Campus der Johann Wolfgang Gothe-Universität in Frankfurt am Main wurde von Studenten besetzt und dann durch die Polizei. Es wurde seitens der Polizei behauptet, dass die Räumung friedlich (?) verlief (meines Wissens Interview des Polizeipräsidenten). Auch wurde von Studenten berichtet, die sagten, es gäbe Polizeigewalt. Hierüber hinaus wurde - ich glaube, es war der Polizeipräsident - berichtet, dass mehr als 200000,- Euro an Schaden durch die Studenten entstünden.

Was will uns eine solche Berichterstattung sagen?

So eine Berichterstattung will meiner Ansicht nach folgendes vermitteln: Liebe geistig minderbemittelte Zuhörer, Ihr seid so blöd und hört uns immer noch zu. Dann glaubt ruhig der Suggestion, "auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil". Das mit den Schlägen der Polizeitruppe erhöht das Denkvermögen, der Randalierer, ähhh Studenten. Schließlich gehört denen ein Denkzettel verpasst. Auf Staats Kosten studieren und dann noch Staatseigentum beschädigen! Wo kämen wir bloß hin, wenn wir das tolerieren würden! Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne an. Recht so.

Da ist es wieder, das dumpfbackige Manipulieren. Folgende Fragen hätte ich gern, dass die HR-Journalisten sie gestellt und auch außerdem beantwortet hätten:
  • Was ist wirklich dran am Gerede der bislang weichen Hand (Linie) des Polizeipräsidenten? Warum sind die studentischen Vertreter gänzlich anderer Auffassung?

  • Was versteht ein Polizeipräsident unter friedlichem Polizeieinsatz? Unter friedlichem Verlauf?

  • Wie verhält es sich mit der Rechtsstaatlichkeit und der tatsächlichen Verhältnismäßigkeit aller bisherigen Polizeieinsätze?

  • Positiv formuliert, ich will schließlich keinen Rechtsstreit provozieren, wieviel Zeit haben die HR-Journalisten für die Recherche aufgewand? War das ausreichend? Oder stand das Ergebnis etwa vorher fest?

  • Stimmt eigentlich das, was Unileitung und Polizeipräsident von sich geben? Etwas ältere Journalisten wissen doch, dass es in den 68er Jahren fleißige Uni-Hausmeister gab - fleißig im Zertrümmern eigener Uni-Fensterscheiben...

  • Genauer: Wie kommt es, dass die Polizisten im Einsatz keinerlei Sachschäden anrichteten? Hat man als Hofberichtserstatter da nicht etwas vergessen? Waren das alles nur Studenten? Wie sieht es mit mutwilliger Zerstörung durch Polizeikräfte aus? Das Universitätspersonal schätze ich inzwischen friedfertiger ein.

  • Einzelne echte Randalierer um der Randale wegen, warum hat man die als Polizeiführung gemeinsam mit der studentischen Streikführung nicht besser in den Griff bekommen?

  • Dürfen einfache Polizisten sich nicht äußern? Falls ja, warum wäre es rechtens, Maulkörbe zu verhängen? Haben Polizisten ein Recht auf freie Meinungsäußerung? Wenn nicht, warum greifen Journalisten so eine braune Sosse nicht an?

Was mich außerdem als quasi Außenstehenden doch verwundert, ist, dass im Räumungsbericht keinerlei Informationen zu den Zielen des studentischen Prottests enthalten waren. HR-Hörer sind doch mündige Hörer, oder?

Da fragt man sich wirklich, wozu man in Hessen GEZ bezahlt. Meiner Ansicht nach gehört die GEZ in Hessen um mehr als die Hälfte gekürzt. Den Rest soll die CDU Hessen blechen, ist der HR doch in weiten Teilen zum Schwarzfunk verkommen. Sehen Sie das nicht genauso?

Leider habe ich nicht den genauen Wortlaut des Berichtes, Interviews. Hätte ich diesen, wäre mein Weblogtext sicherlich mit mehr Schärfe formuliert worden...

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