Donnerstag, 8. August 2013

Versteckter Sozialrassismus - Beispiel ISM-Tagung in Frankfurt ("Summer Factory")

(eigenes Archivfoto, © 2011)
Lieber Leser,

dieser Blog-Beitrag wird nicht der Letzte zum Thema Sozialrassismus bleiben. Ein wesentliches Element des Sozialrassismuses (auch Klassismus¹ genannt) ist für mich die Benachteiligung wirtschaftlich schlechter gestellter Gruppen (Klasse(n)?) gerade am politischen Willensbildungsprozess.

Im Vorurteil, dass Erwerbslose aufgrund ihrer Leistungsbezüge über dem gesellschaftlichen Existenzminimum leben würden und somit finanzielle Mittel für die Teilhabe am politischen Willensbildungsprozess übrig hätten, manifestiert sich der Sozialrassismus zwar etwas versteckt, aber dennoch deutlich erkennbar. Wer die Fachliteratur studiert, weiß dass es mitnichten so ist, dass Sozialtransferleistungen wie ALG 2 das Existenzminimum abdecken - Das ist definitiv falsch.

In den höheren Politikzirkeln - wir gelangen langsam zur ISM, dem Institut Solidarische Moderne -, also auch in den sich als politisch links gebärdenden Politikzirkeln, kennt so gut wie niemand die Situation der finanziell sehr schlecht gestellten Menschen, zu denen die ALG-2-Bezieher gehören. So gut wie niemand des etablierten Politikzirkuses kann sich auch nur ansatzweise in diese hineinversetzen - was übrigens ein Grund für den zunehmenden Nichtwähleranteil in Deutschland darstellen dürfte. Sie gehören schlicht unterschiedlichen Welten/Klassen an.

Was hat das aber mit dem ISM zu tun? Auf deren Webseite lesen wir unter "Sozialökologische Transformation: Strategische Bedingungen eines Politikwechsels"² folgenden Passus, die Teilnahmekosten einer Tagung³ - "Summer factory"² - beschreibend:
Die Teilnahmegebühr beträgt 50 Euro (20 Tagungspauschale + 30 Essenspauschale) und umfasst Mittag- und Abendessen am Samstag, den Eintritt zur Party, ein Frühstücksbuffet am Sonntag, alle Kongressmaterialien und den Eintritt zur Podiumsdiskussion am Freitag Abend. Bei finanziellen Schwierigkeiten wendet Euch bitte direkt an uns.
"Bei finanziellen Schwierigkeiten wendet Euch bitte an uns" ist ein nicht sehr hilfreicher Satz. Ich befürchtete, er hat bloß Alibi-Charakter: Was sagt er wirklich aus? Fahrtkostenerstattung? Mitfahrgelegenheit? Kostenfreie Teilnahme? Kostenfreie Übernachtungsmöglichkeiten? Wäre er ernst gemeint gewesen, würde dort mehr stehen.

Wer von den an der ISM-Tagung Interessierten, die gerade nicht über finanziell nachhaltige Ressourcen verfügen (arm sind, AlG 2 beziehen, ...), wird sich bei der ISM-Tagung denn anmelden? ... Man wird bei dieser ISM-Tagung wohl unter sich bleiben. Wieder einmal mehr bleibt die politischen Klasse (oder ein Teil von ihr) unter sich, könnte man durchaus formulieren.

Wie wir erkennen müssen, die Diskriminierung über die Kostenschiene wirkt hier klar ausgrenzend. Wenn das nicht Sozialrassismus ist, was dann? Dass nicht-Berücksichtigen schambehafteter Armut verhält sich stets ausgrenzend. Wer sich diesem Übel und Stigma als linke Organisation nicht ernsthaft annimmt, ist eben einfach nicht links. Für mich bleibt festzuhalten, es ist zu oft nicht links, wo links drauf steht.

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³ 16.-18. August, Frankfurt am Main, Studierendenhaus: "Sozialökologische Transformation: Strategische Bedingungen eines Politikwechsels"

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