Freitag, 7. November 2008

In Memorial: Niklas Luhmann verstarb gestern vor zehn Jahren // Der Luhmannsche Zettelkasten

Niklas Luhmann ist für mich ein großer Denker im 20. Jahrhundert.

Am meisten hat mich sein Zettelkasten, eine Wissensdatenbank besonderer Güte, fasziniert. Mein Lob gilt besonders Daniel Lüdecke, der sich die sehr, sehr große Mühe machte, das Prinzip des Luhmannschen Zettelkastens in ein brauchbares Programm zu übertragen....

...Hmm, das Programm ist kostenfrei. Die Version 2.82 läuft unter Windows. Die Version 3 ist in der Mache und basiert auf Java. Das heißt, Mac- und Linux-Nutzer werden das Programm demnächst nutzen können. Zur Zeit ist die Version 3 in der Erprobungsphase.

Das Geniale an Daniels Zettelkasten nach Luhmann ist der Luhmannsche Grundgedanke der vernetzten Verschlagwortung. Können Sie damit etwas anfangen? Also: Zunächst einmal haben Sie bei Luhmann eine Zettelkastenkartei mit einer "Nummer" (chronologische Sortierung) für jeden Zettel bei Luhmann. Jeder beschriebene Zettel enthält außer dem Zetteltext noch verschiedene Schlagwörter, mindestens aber ein Schlagwort. Dann haben Sie ein zweite Kartei im Zettelkasten mit den alphabetische sortierten Schlagwörtern, ein Schlagwort pro Karteikarte. Und jede Schlagwortkarteikarte enthält Nummern (mindestens eine), wobei jede Nummer auf einer Schlagwortkarteikarte genau einen Zettel präsentiert, der diesem Schlagwort zugeordnet ist. Es bildet sich im Laufe der Zeit ein Netzwerk von Zetteln heraus, die über Schlagwörter vernetzt sind. Dieses "Zettel-Spinnennetz" symbolisiert die versteckte "Intelligenz" des Zettelkastens und geht über die Einzelinformation eines einzigen Zettels hinaus. Genau das ist der Clou des Luhmannschen Zettelkastens.

Niklas Luhmann erklärt seinen Zettelkasten +/-


Daniels elektronischem Zettelkasten liegt das eben beschriebene Strukturierungsprinzip des Luhmannschen Zettelkastens zugrunde. Und das besondere an dem elektronischen Zettelkasten ist die 100%ige Umsetzung des Strukturierungsprinzips als Kern des Luhmannschen Zettelkastens. Also, die Schlagwörter vernetzen die Einträge miteinander. Es gibt keine Hierarchie, das heißt die zeitlich gewachsene Vernetzung ist das eigentliche Geheimnis des Lüdeckschen Zettelkastenprograms genauso wie beim Luhmannschen Vorbild.

Übrigens, jetzt wissen Sie, warum ich auf "Blogspot" (Blogger.com, aufgekauft durch Google) poste. So ist es bei einem Blogger.com-Weblog möglich, genau so wie bei Daniels elektronischem Zettelkasten, das Luhmannsche Zettelkasten-Strukturisierungsprinzip zu nutzen. So ist der "Zauber" meines Weblogs die Schlagwortliste (Labels). Wegen der realen vernetzten Verschlagwortung meiner Weblogeinträge (als quasi-Zettelersatz) ist mein Weblog genauso ein luhmannscher Zettelkasten wie das Zettelkastenprogramm Daniel Lüdeckes. Das besondere an meinem Weblog ist die bewußte Übertragung des Zettelkastenprinzips auf ein Weblog.

Doch mein Weblog ist in einem Punkt etwas anders als der Luhmannsche Zettelkasten. Beim Luhmannschen Zettelkasten können praktisch Einträge "verschwinden", wenn sie zunehmend ohne Schlagwort-Vernetzung zu anderen Einträgen (Zettel) vereinsamen. Daher habe ich meinem Weblog eine Rubrikenliste zusätzlich zur bestehenden Schlagwortliste hinzugefügt:Das ist eine ausgewählte Liste mit wenigen besonderen Stichwörtern aus der Schlagwortliste. Der Clou ist, dass jeder Eintrag mindestens einem Schlagwort der Rubrikenliste zugeordnet ist, so dass eine Grundvernetzung gewährleistet ist.

Technische Einschränkung: Die Verschlagwortung ist auf zwölf Schlagwörter pro Eintrag begrenzt. Das sollte aber nicht weiter stören. Ob die Schlagwortliste (Labels) seitens Google auf eine bestimmte Anzahl von Schlagwörtern beschränkt ist, weiß ich nicht. Eine Beschränkung auf unter 1000 Schlagwörter wäre einem Luhmannschen Zettelkasten abträglich. Nähere Informationen hierzu liegen mir leider nicht vor. Wissen Sie näheres?

Mein Tipp: Lassen Sie sich nicht ein auf ein Weblog ohne Verschlagwortung. Das war, nebenbei bemerkt, für mich der Hauptgrund gegen ein Wordpress-Weblog, dem das Merkmal Verschlagwortung fehlt.

Noch ein Tipp: Der Googler-Reader erlaubt genauso wie die Google-Lesezeichen eine mehrfach Verschlagwortung. Folglich ist das Grundprinzip der Luhmannschen Mehrfach-Verschlagwortung bei diesen googleschen Internet-Dienstleistungen anwendbar.

Und welche Bedeutung Luhmann aus meiner Sicht auf die Ökonomie hat oder haben könnte, da habe ich schon eine kleine Idee... Demnächst mehr in diesem Weblog! Und über Anregungen zum Thema per eMail würde ich mich freuen.

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1 Kommentar:

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